Über die Wirklichwerdung des geistig Seienden
Dass alles Wirkliche eine Entsprechung in der Menge des geistig Seienden findet, ja dass man was wirklich ist als wirklich gewordenes Geistiges ansehen kann, ist ein zentrales Konzept, eine tragende Säule unserer Ontologie. Jedoch ein Konzept, welches wir für gewöhnlich ohne weitere Erklärungen voraussetzen. In der Schrift Zum Problem des Augenblicks findet es zwar eine ausführliche Behandlung, jedoch immer nur vor dem Hintergrund der zeitlichen Ordnung des Wirklichen; eine eingehende Untersuchung dieses ontologischen Verhältnisses an sich wird darin nicht gegeben. Diese Lücke zu schließen schickt sich nun die vorliegende Schrift an. Sie lehnt sich, was ihre Terminologie und Konzepte betrifft, eng an die Schrift Über das geistige Sein und das Denken an und setzt diese vollends voraus. Dass sie nicht mit dieser sogar vereinigt ist, hat seine Rechtfertigung einerseits darin, dass ihr Gegenstand eben nicht allein das geistige Sein ist, und andererseits in der ausufernden Gestalt und fehlenden thematischen Geschlossenheit, welche man der vereinigten Schrift nicht ganz hätte absprechen können.
Was wir behandeln wollen, sind drei verschiedene Fragestellungen. Zuerst wollen wir Gründe dafür anführen, warum wir das besagte Verhältnis zwischen Geistes- und Wirklichkeits-Sein überhaupt ansetzen. Zweitens werden wir untersuchen, wie genau eine Menge an geistig Seiendem beschaffen sein muss, die gemeinsam wirklich wird; welche Diskussion die meisten Anleihen in der Ontologie des geistig Seienden machen wird. Nach diesen Überlegungen erst werden wir schließlich den Versuch machen, uns dem eigentlichen Wesen der Wirklichwerdung von geistig Seiendem anzunähern – mehr als eine Annäherung ist auch unmöglich.
Warum also besitzt alles, was wirklich ist, eine geistige Entsprechung? Zunächst einmal lässt sich festhalten, dass Wirkliches und Geistiges kaum unterschiedlicher sein könnten: Das eine ist ein volles, echtes Sein, das sich in seiner Existenz unmittelbar aufdrängt; das andere ein subtileres, schwächeres Sein, das sich aus der eigentümlichen Kohärenz erschließen lässt, mit welcher das Denken noch die komplexesten und strukturreichsten Gegenstände immer wieder in derselben Form denkt. Man könnte auf den ersten Blick in der Tat meinen, dass derart unterschiedliche Seinsformen keinen Berührpunkt miteinander haben können. Doch enthält schon die Definition des geistig Seienden den Hinweis darauf, warum es sich so durchaus nicht verhalten kann: Geistig ist nämlich, was gedacht werden kann. Nun kann man schwer leugnen, dass die in der Wirklichkeit vorkommenden Dinge zumindest prinzipiell dem Denken zugänglich sind. Denn das tatsächliche, in die Wirklichkeit eingebettete Denken bildet fortwährend Gegenstände ab, die es in der außerhalb seiner selbst liegenden Wirklichkeit vorfindet. Ja das Vorstellen solcher Gegenstände ist vielleicht seine geringste Leistung, ist es doch in der Lage, zu diesen bemerkenswert heterogene Dinge zu denken. Selbst den Teil der Wirklichkeit abzubilden, welchen das Denken selbst darstellt, fiele ihm nicht schwer, wenn es nur außerhalb seiner selbst stehen könnte; kann es sich doch durchaus einzelne Gedanken vorstellen, das ist das Denken als bloße Erscheinung der Wirklichkeit, nicht als Erkenntnissubjekt, abbilden.
Die Realisten, denen die Wirklichkeit überhaupt das Liebste ist, werden zweifellos diese Tatsache als ein Indiz dafür ansehen, dass was gedacht wird sich überhaupt bloß aus dem Wirklichen ableite, davon ein Abbild oder eine Abstraktion darstelle; und weiterhin behaupten, dass das Wirkliche in jeder Hinsicht das Ursprüngliche und einzig Seiende sei; in welchem dann zufälligerweise eine Erscheinung vorkäme, das Denken, welche andere Erscheinungen darin abbildet. Nur wird es ihnen schwerfallen, die geradezu unheimliche Konsistenz zu erklären, mit welcher dieses Denken, in den unterschiedlichsten Formen auftretend, immer wieder dieselben Strukturen abbildet. In der Schrift Über das geistige Sein und das Denken hat uns dieses Verhältnis auf eine von jenem orthodoxen Realismus durchaus verschiedene Sichtweise geführt: dass außer dem offensichtlichen, sich aufdrängenden Sein des Wirklichen noch ein weiteres, eben das in Rede stehende geistige Sein existiert, welches nun, in völliger Umkehrung der Betrachtungsart, das Ursprüngliche, Unwandelbare darstellt.
Dadurch, dass wir dieses Sein jedoch auf das Denken rückbeziehen, ergibt sich der Berührpunkt von geistigem und wirklichem Sein. Zwar ist das Denken in der Definition Geistig ist, was gedacht werden kann dasjenige eines idealen Verstandes, welcher nie und nirgends existiert; doch stellt dieser eine Idealisierung und Abstraktion dar, die von dem in der Wirklichkeit tatsächlich vorhandenen Verstande ausgeht. Demnach können wir schlussfolgern, dass indem das Denken eine Vielzahl an Gegenständen der Wirklichkeit abzubilden vermag, wir diesen Gegenständen auch geistiges Sein zusprechen können. Weiterhin scheint das real existierende Denken zumindest ansatzweise in der Lage, durch Zusammensetzung solcher Gegenstände eine potentielle gesamte Wirklichkeit abzubilden, sodass dieser Schritt keine grundsätzliche Hürde darstellt und auch eine Wirklichkeit in ihrer Gänze prinzipiell dem Denken zugänglich und damit geistig sein kann. Damit haben wir aber noch nicht gezeigt, dass alles, was potentiell wirklich sein könnte, auch denkbar und somit geistig sein muss. Das ist wir müssen beweisen, dass nichts Undenkbares wirklich werden kann. Hier haben wir es aber mit zweierlei Art von Undenkbarkeit zu tun: Einerseits der Undenkbarkeit im engeren Sinne, die in einer rein denkimmanenten Betrachtungsweise die einzige mögliche ist und die wir auch in Über das geistige Sein und das Denken behandelt haben; welche darin besteht, dass der Verstand ein Objekt vermittelst gewisser Eigenschaften definiert, die aber zu einem inneren Widerspruch in dem Objekt führen, weil sie sowohl implizieren, dass es gewisse Eigenschaften besitzt, als auch dass es sie nicht besitzt. Andererseits aber ist es auch grundsätzlich vorstellbar, dass etwas wirklich werden könnte, das selbst der ideale Verstand nicht denken kann, weil er schon außer Stande ist, auch nur dessen beschreibende Eigenschaften zu denken, das ist sich von diesen einen genauen Begriff zu machen und sie ganz zu erfassen.
Was die Undenkbarkeit im engeren Sinne angeht, so müssen wir, wie schon an anderer Stelle geschehen, an das philosophische Prinzip appellieren, dass was unvorstellbar auch schlechterdings unmöglich ist. Tatsächlich ist es gänzlich unvorstellbar, dass ein in sich widersprüchlicher Gegenstand wirklich werden könnte. Das Denken ist, wie in Über das geistige Sein und das Denken bemerkt ist, das Vehikel jedweder Erkenntnis schlechthin, und was (im engeren Sinne) undenkbar ist, ist unmöglich im weitesten Sinne überhaupt. Wenn also das Denken in einem in der Wirklichkeit vorhanden Gegenstand einen Widerspruch ausmachen sollte – in dieser Richtung muss man es sehen, da die Existenz von etwas Wirklichem unleugbar ist, indem es sich unmittelbar aufdrängt – so müssen wir dies auf einen Irrtum, das ist eine seltene Abweichung von der Norm des idealen Denkens, zurückführen; ist es aber der ideale Verstand, der denkt, so ist das Auftreten eines Irrtums, und somit auch eines solchen Verhältnisses überhaupt, völlig ausgeschlossen.
Die Behandlung der zweiten Art von Undenkbarkeit ist etwas verwickelter. Dass ein Gegenstand der Wirklichkeit, oder eine Wirklichkeit als Ganzes, sich dem Denken entzieht, ohne dass ein Selbstwiderspruch dafür verantwortlich wäre, ist in zwei verschiedenen Weisen vorstellbar. Es könnte entweder sein, dass der Verstand sich von den Eigenschaften eines Gegenstandes an sich schlicht keinen Begriff machen kann, weil sie außerhalb seines Begriffskreises liegen, indem er sich überhaupt keine Vorstellung davon machen kann oder er zwar eine ungefähre Vorstellung besitzt, diese aber nicht auf einen genauen Begriff zu bringen vermag; oder aber es ist entweder ein einzelner Gegenstand oder die Wirklichkeit in ihrer Gesamtheit zu komplex, um für den Verstand erfassbar zu sein, welchen Ausdruck wir in Kürze näher erläutern werden. Auf beide Beschränkungen, seinen zu engen zu Begriffskreis und die zu große Komplexität des zu Denkenden, kann der in der Wirklichkeit vorhandene Verstand stoßen, wenn er versucht, Gegenstände in der außerhalb seiner selbst liegenden Wirklichkeit abzubilden; weshalb wir oben auch nur davon gesprochen haben, dass dieser viele, aber nicht notwendigerweise alle diese Gegenstände abzubilden vermag. Die Frage ist nun, ob auch noch der ideale Verstand solchen Beschränkungen beim Denken der in der Wirklichkeit vorkommenden Dinge unterliegen könne; und weiterhin, ob er auch jede beliebige Wirklichkeit als Ganzes zu denken vermöge.
Wir hatten bei der Konstruktion des idealen Verstandes in Über das geistige Sein und das Denken diesem einen unbegrenzten Begriffskreis zugesprochen, auch wenn dieses bemerkenswerte Charakteristikum wohl sein am schwersten fassliches ist. Setzt man dieses jedoch voraus, so ist es unmöglich, dass selbst in der für uns völlig unerkennbaren Unendlichkeit von möglichen Wirklichkeiten eine existiert, in welcher Gegenstände vorhanden sind, von denen sich der Verstand grundsätzlich keinen Begriff machen kann. Er besitzt gleichsam die Summe der Vorstellungsvermögen aller in all diese Wirklichkeiten (gegebenenfalls hypothetisch) eingebetteten Verstande und verfügt gleichzeitig über eine solche Schärfe im Denken, dass er von allem, wovon er sich eine Vorstellung machen kann, auch einen genauen Begriff besitzt.
Schwieriger verhält es sich mit der Frage, ob es mögliche Wirklichkeiten gebe, die sich deshalb nicht durch das Denken abbilden lassen, weil sie dafür in dem Sinne zu komplex sind, dass es eines aktual, nicht bloß potentiell unendlichen Verstandes bedürfte, um sie denkend zu erfassen; welcher Begriff aber in sich widersinnig ist, da ein Verstand zwar als zu beliebig vielen und beliebig umfangreichen Denkvorgängen fähig vorgestellt werden kann, aber eben nicht zu unendlich umfangreichen. Dementsprechend hatten wir in Über das geistige Sein und das Denken die denkbaren Eigenschaften auf diejenigen eingeschränkt, die sich durch den Verstand in endlich vielen Schritten aus elementaren Eigenschaften zusammensetzen lassen; und die denkbaren Objekte auf solche, die sich entweder vermittelst endlich vieler Eigenschaften definieren lassen, oder aber, als Zugeständnis an die ontologische Sichtweise auf das geistig Seiende, die sich durch eine unendliche Folge von Eigenschaften definieren lassen, deren jeweilige Bildung gemäß einer induktiv zu definierenden Regel vor sich geht und nur eine endliche Anzahl an willkürlichen Wahlen aus einer jeweils endlichen Menge von Eigenschaften beinhaltet. Die Frage ist nun, ob dies für alle potentiellen Wirklichkeiten ausreiche. Es ist nämlich einerseits vorstellbar, dass eine Wirklichkeit unendlich viele willkürlich verschiedene Gegenstände in sich enthält, das ist unendlich ausgedehnt ist; und andererseits, dass Gegenstände darin derart spezifisch sind, dass sie sich weder durch endlich viele Eigenschaften noch eine Eigenschaftsfolge der zuvor beschriebenen Art definieren lassen; das ist eine Wirklichkeit könnte in extensiver oder intensiver Weise dergestalt unendlich sein, dass sie sich nicht erfassen lässt.
Man könnte meinen, eine extensive Unendlichkeit stelle kein eigentliches Problem dar, da die Wirklichkeit dann zwar nicht in einem Stück und auf einmal gedacht werden könnte (sofern sich die Gegenstände darin nicht durch eine endliche Regel allesamt erzeugen lassen), aber eben jedes Ding, das sie enthält, für sich; sodass in diesem Sinne der Grundsatz Alles was wirklich ist, kann auch wahrgenommen werden jedenfalls erfüllt wäre. Jedoch lässt sich eine Wirklichkeit nicht als bloße Ansammlung dieser Dinge betrachten, da diese in ihr in ein Stück gegossen sind. Die gesamte Wirklichkeit muss daher, wie wir noch unten näher ausführen werden, ein denkbares Objekt sein; gleichzeitig lässt sich aber auch, in einer anderen Hinsicht, jedes Ding darin als ein Objekt betrachten. Ebenso mag es erscheinen, dass die Möglichkeit, Objekte vermittelst einer unendlichen Folge von Eigenschaften zu definieren, es ausschließe, dass die Wirklichkeit in intensiver Weise zu komplex ist, um gedacht werden zu können. Doch stellt dies nur die Denkbarkeit von Elementen aus Mengen von der Mächtigkeit des Kontinuums sicher, etwa eines physischen Gegenstandes, dessen Abmessungen durch reelle Zahlen beschrieben sind, oder eines visuellen Eindrucks, der sich als stetige Funktion in den reellen Zahlen darstellen lässt. Ein Bild hingegen, welches an jedem Punkte der reellen Ebene in willkürlicher Weise grün oder rot wäre, könnte etwa nicht wirklich werden, da es Element einer Menge ist, die von der Mächtigkeit der Potenzmenge des Kontinuums ist.
Jedoch haben wir hier eine wichtige Tatsache noch nicht berücksichtigt: Die Wirklichkeit selbst ist an die Wahrnehmung geknüpft, denn wirklich ist, was wahrgenommen wird; und die Wahrnehmung wiederum muss von einer wahrnehmenden Instanz, einem Subjekt ausgehen. Vermittelst dieses Rückbezugs werden die möglichen Wirklichkeiten durch die Beschränkungen des Wahrnehmens selbst beschränkt, ähnlich wie die Charakteristika des idealen Denkens das mögliche geistig Seiende eingrenzen. Die Natur der Wahrnehmung aber ist nun dergestalt, dass sie sich nicht auf eine unendliche Menge von verschiedenen Dingen zugleich richten kann; das Wahrnehmen, wie es allein vorgestellt werden kann, hat immer einen fest umgrenzten Bereich, eine wohldefinierte endliche Ansammlung von Dingen zum Gegenstand. Damit löst sich der Einwand gegen die Denkbarkeit alles Wirklichen, welcher aus der möglichen extensiv unendlichen Gestalt der Wirklichkeit sich ergibt, sogleich auf.
Auch das Vorhandensein eines Dings von intensiver Unendlichkeit in der Wirklichkeit wird letztlich durch die endliche Natur des Wahrnehmens ausgeschlossen, jedoch tritt diese dabei in einer anderen Spielart auf. Und zwar kann ein Objekt nicht Gegenstand der Wahrnehmung sein, wenn es unendlich merkmalsreich ist. Gesetzt, dass es möglich ist, für zwei verschiedene Objekte ein Maß für ihre Verschiedenheit unter der Wahrnehmung anzugeben (welches auch den Wert unendlich annehmen kann), welchen Begriff wir unten noch einer näheren Betrachtung unterziehen werden: Dann nennen wir ein Objekt unendlich merkmalsreich, wenn für eine beliebige endliche Menge von gebundenen Eigenschaften dieses Objekts in der von dieser Eigenschaftsmenge gebildeten Klasse Objekte vorhanden sind, deren Verschiedenheit größer als eine feste Konstante ist. Wenn man berücksichtigt, dass das Hinzufügen von Eigenschaften zu einer erzeugenden Eigenschaftsmenge die entstehende Klasse allenfalls verkleinern kann und somit die maximale Verschiedenheit in derselben sich dadurch reduziert oder gleich bleibt, ergibt sich, dass ein Objekt nicht unendlich merkmalsreich ist, wenn es sich durch endlich viele Eigenschaften festlegen lässt oder zumindest eine Folge von Eigenschaften des Objekts derart existiert, dass die maximale Verschiedenheit in den von den Teilfolgen erzeugten Klassen gegen null konvergiert.
Um nachzuweisen, dass ein Objekt letzteres Kriterium erfüllen muss, um wahrgenommen werden zu können, führen wir uns zunächst vor Augen, dass das wahrnehmende Subjekt einen Gegenstand seiner Wahrnehmung vermittelst gewisser Merkmale, das ist seiner Ausprägung in verschiedenen Hinsichten, erfasst und von anderen vorstellbaren Gegenständen, die an seine Stelle treten könnten, unterscheidet. Ein Merkmal kann dabei als kleinste Grundeinheit des Wahrgenommenen betrachtet werden; dementsprechend müssen wir die Menge der Merkmale auch als frei von jeder Redundanz ansehen, das ist jedes einzelne Merkmal ist unentbehrlich, um den wahrgenommenen Gegenstand festzulegen. Als Grundbausteine eines wahrgenommenen Gegenstandes lassen sich die Merkmale weiterhin nur als derart einfach vorstellen, dass sie grundsätzlich durch das Denken abbildbar sind in dem Sinne, dass sie entweder durch eine einzelne denkbare Eigenschaft des Gegenstandes wiedergegeben werden können oder aber durch eine Folge solcher Eigenschaften, sodass die Folgeglieder eine sukzessive Spezifizierung leisten, das ist schon die erste Eigenschaft spannt gemeinsam mit den sonstigen Eigenschaften des Gegenstandes eine Klasse auf, in welcher die Verschiedenheit der Objekte endlich ist, und die Hinzunahme weiterer Eigenschaften der Folge lässt diese gegen null konvergieren. Letztere Möglichkeit ist ein Zugeständnis an die Tatsache, dass wir uns das Wahrgenommene in seinen jeweiligen Ausprägungen prinzipiell als kontinuierlich variierend vorstellen können, das ist die Wahrnehmung greift den tatsächlich wirklichen Gegenstand aus einem Kontinuum zu diesem ähnlicher Gegenstände heraus. Die Ausprägung eines Gegenstandes in einer bestimmten Hinsicht kann aber immer noch als einfach angesehen werden, wenn sie in der freien Wahl aus einem Kontinuum besteht. Nur ist es das seiner Natur nach endliche Denken, welches eine solche nicht mehr anhand einer einzelnen Eigenschaft wiedergeben kann, weshalb wir auch Eigenschaftsfolgen der besagten Art für die Abbildung von Merkmalen zulassen müssen.
Entsprechend diesen Überlegungen können wir eine Merkmalszerlegung eines Objekts definieren als eine Menge von Eigenschaften oder derartigen Eigenschaftsfolgen, die gemeinsam das Objekt eindeutig festlegen, wobei keines der Elemente der Menge entfernt werden könnte, ohne dass das Objekt nicht mehr eindeutig bestimmt wäre. Unter Verwendung des Cantorschen Diagonalverfahrens und der Tatsache, dass in einer gegen null konvergierenden Folge ab einem bestimmten Punkt nur noch endliche Werte auftreten können, zeigt man, dass ein Objekt genau dann nicht unendlich merkmalsreich gemäß der oben gegebenen Definition ist, wenn es eine endliche Merkmalszerlegung besitzt. Letzteres aber müssen wir für Objekte, die Gegenstand der Wahrnehmung sind, annehmen. Denn die endliche Natur des Wahrnehmens manifestiert sich nicht nur darin, dass nur endlich viele Dinge wahrgenommen werden können, sondern auch in der Beschränkung, dass keine Dinge mit unendlich vielen Merkmalen Gegenstand der Wahrnehmung sein können, da sich diese sonst auf all diese unendlich vielen Merkmale zugleich richten müsste. An dieser Stelle ließe sich anführen, dass die beschriebene Merkmalszerlegung ja keineswegs eindeutig ist; und fragen, welche denn dann die eigentliche sei, die die Merkmale abbildet, anhand derer das wahrnehmende Subjekt einen Gegenstand erfasst. Wir werden uns dieser Frage unten widmen und finden, dass sie zu einem gewissen Grade sinnlos ist; was aber hier wichtig ist, ist dass das Argument dafür, dass ein wahrgenommener Gegenstand nicht unendlich merkmalsreich sein kann, dadurch nicht berührt wird. Denn wenn es notwendigerweise eine endliche Menge an Merkmalen geben muss, die einen Gegenstand der Wahrnehmung festlegen, diese Menge sich aber durch eine Merkmalszerlegung, wie sie oben definiert wurde, abbilden lässt, so muss es mindestens eine solche, endliche Merkmalszerlegung geben. Ob ein Objekt unendlich merkmalsreich ist oder nicht, muss man sich ohnehin als ein diesem intrinsisches Charakteristikum vorstellen, welches sich in dem Vorhandensein oder Fehlen einer endlichen Merkmalszerlegung bloß manifestiert.
Jedenfalls bedeutet die Tatsache, dass ein wahrgenommener und darum wirklicher Gegenstand nicht unendlich merkmalsreich sein kann, dass er auch gedacht werden kann, da er sich dann durch eine (möglicherweise unendliche) Folge von Eigenschaften festlegen lässt. Tatsächlich erlaubt die Definition der Denkbarkeit, die wir voraussetzen, sogar das Denken von Objekten, die darüber hinausgehen, was Gegenstand der Wahrnehmung sein kann, indem sie unendlich merkmalsreich sind; ermöglicht doch die Definition eines Objekts durch eine unendliche Folge beliebiger Eigenschaften auch solche Objekte, für welche die Verschiedenheit innerhalb der durch die Teilfolgen erzeugten Klassen nicht gegen null konvergiert.
Insgesamt haben wir somit, vermittelst einer weitverzweigten Argumentation, vollumfänglich nachgewiesen, dass was wirklich ist auch gedacht werden kann. Notgedrungen mussten wir dabei schon etwas von den ontologischen Betrachtungen über das Wirkliche vor dem Hintergrund seiner geistigen Entsprechung vorwegnehmen. Den hauptsächlichen Gegenstand der Untersuchung werden diese im folgenden Teil der Schrift darstellen.
Wenden wir uns nun also der Struktur des geistig Seienden, das wirklich wird, gemeinsam die Wirklichkeit bildet, zu. Vor allem anderen müssen wir einen scheinbaren Widerspruch auflösen, der sich aus der Weise ergibt, in der wir über das wirklich gewordene Geistige an verschiedenen Stellen sprechen; wobei wir zugleich die allgemeine Frage nach dessen Natur aufklären werden. Diese scheinbare Inkonsistenz besteht darin, dass einerseits mehrmals in dieser Schrift und sinngemäß auch anderswo die Rede davon ist, dass einzelne Dinge gemeinsam die Wirklichkeit bilden, welches Verhältnis im Grunde auch schon nahegelegt wird durch die Formulierung, dass „Geistiges wirklich wird“, welche die Auszeichnung einer Teilmenge innerhalb der Gesamtmenge des Geistigen evoziert; andererseits aber wir oben erklärt hatten, dass das Wirkliche ein einziges Objekt sein muss, wie auch der Begriff der „Wirklichkeit“ an eine Einheit, an eine Entität aus einem Guss denken lässt. Zunächst lässt sich festhalten, dass rein formal, unter Zugrundelegung des Objektbegriffs aus Über das geistige Sein und das Denken, was wirklich ist sich als ein einziges Objekt denken lassen muss. Denn die einzelnen Erscheinungen des Wirklichen, jeweils für sich genommen und unverbunden nebeneinander stehend, können nicht mit der Gesamtheit des Wirklichkeitserlebens durch das wahrnehmende Subjekt gleichgesetzt werden; es besteht notwendig ein Unterschied dazwischen. Etwa sind ein akustischer Eindruck eines Geräuschs und ein visueller Eindruck eines Bildes, zusammengenommen aber unverbunden, schlicht etwas anderes als eine Wirklichkeit, in der das wahrnehmende Subjekt beide zugleich empfängt; die bekannte Behauptung, dass das Ganze mehr als die Summe seiner Teile sei, trifft hier voll und ganz zu. Da wir uns aber das Denken als fähig vorstellen, das Wirkliche in seiner Gänze exakt abzubilden, bedeutet die Tatsache, dass es nicht in Teile zerlegt werden kann, ohne etwas von seinen Eigenschaften einzubüßen, dass es auch eine Einheit des Denkens und des geistigen Seins, das ist ein Objekt sein muss.
Die geistig seienden Objekte, die eine Wirklichkeit in ihrer Gesamtheit abbilden können, können wir als Elemente einer eigenen Domäne von Objekten (im Sinne der Terminologie, die in Über das geistige Sein und das Denken eingeführt wurde) betrachten. Denn es ist keine Ureigenschaft vorstellbar, anhand derer man diese spezielle Art von Objekten in einen noch größeren Zusammenhang von Denkbarem einbetten könnte. Wie die Menge der Objekte innerhalb dieser Domäne strukturiert sei, ist grundsätzlich sehr schwierig zu ergründen, wenn auch nicht völlig unmöglich; denn dies muss vermittelst des in der Wirklichkeit vorhandenen, inidealen Verstandes geschehen, dem es aber, da er in eben dieser Wirklichkeit sich vorfindet, nicht allzu leicht fällt, mögliche Wirklichkeiten in ihrer Gesamtheit zu denken, insbesondere solche, die sich ihrem Wesen nach fundamental von der seinigen unterscheiden. Es ist jedoch anzunehmen, dass die uns wohlbekannte Art von Wirklichkeiten, welche sich aus sinnlichen, wie etwa visuellen, akustischen und sensorischen Eindrücken sowohl als auch Empfindungen und Gedanken zusammensetzen, einem gemeinsamen Universum innerhalb der in Rede stehenden Domäne angehört. Ob dieses jedoch auch das Einzige darin sei, ist eine sehr schwere Frage. Dass es das nicht ist, lässt sich zumindest nicht ausschließen, da wir nicht wissen können, was jenseits der engen Grenzen des Begriffskreises liegt, der dem inidealen Verstande eigen ist, und was für Arten von Wirklichkeiten, die sich womöglich gänzlich heterogen zu der bekannten darstellen, ein idealer Verstand denken könnte.
Obwohl eine Wirklichkeit als ein einzelnes Objekt gedacht werden kann, bleibt ihre grundsätzliche Zerlegbarkeit in einzelne Erscheinungen darin (welche wir auch als Dinge bezeichnen können) unbestritten. Für die Art von Wirklichkeit, die wir kennen, ist das eindeutig der Fall: Die Zerlegung in die einzelnen Typen der sinnlichen Eindrücke, Gefühle und Gedanken drängt sich unmittelbar auf; darüber hinaus ist eine weitergehende Zergliederung dieser Eindrücke, etwa des visuellen Eindrucks in einzelne darin vorkommende physische Gegenstände, häufig sehr naheliegend. Formal betrachtet ist jede einzelne solche Erscheinung eine Teilmenge der Eigenschaften des Objekts, das die Wirklichkeit in ihrer Gesamtheit darstellt, welche jeweils gemeinsam die Ausprägung der Wirklichkeit an einer bestimmten Stelle beschreiben, wobei letzterer Begriff im übertragenen, nicht bloß auf eine räumliche Position bezogenen Sinne zu verstehen ist; eine Stelle der Wirklichkeit in diesem Verständnis könnte nicht nur etwa ein Ausschnitt eines visuellen Eindrucks sein, was noch der üblichen Bedeutung weitestgehend entspräche, sondern beispielsweise auch ein Bestandteil des akustischen Eindrucks oder eine Ausprägung des Empfindens in einer bestimmten Hinsicht. Diese Eigenschaften sind vermittelst Relationen gebildet, welche die Stelle, an welcher die Erscheinung auftritt, mit einer Eigenschaft, welche die Erscheinung charakterisiert, verschmelzen. Die Erscheinungen aber haben stets, und das ist in diesem Zusammenhang ein ganz entscheidender Punkt, eine Entsprechung in einem denkbaren Objekt, welches sich in einer ganz anderen Domäne als dieser speziellen, die möglichen Wirklichkeiten enthaltenden befindet. Denn es ist einer der charakteristischsten Züge des Denkens, dass es in der Wirklichkeit vorkommende Dinge aus deren Verbund herauszulösen und in ihren natürlichen, rein seinen eigenen Gesetzmäßigkeiten entspringenden Zusammenhang zu stellen vermag. Mehr noch: Die Eigenschaften, die in den Universen der besagten speziellen Domäne vorkommen, sind diesen Universen nicht genuin entsprungen, wenn man von deren jeweiligen Ureigenschaften sowie den Eigenschaften, die Stellen in einer Wirklichkeit angeben, absieht; allein diese speziellen, gewissermaßen inhaltsleeren Eigenschaften, sowie die Relationen, das ist die Weisen, auf welche neue Eigenschaften gebildet werden, sind diesen Universen ganz und gar eigentümlich. Stattdessen stammen die Eigenschaften, die ein Ding der Wirklichkeit charakterisieren (welche dann wiederum, wie oben beschrieben, mit einer Eigenschaft zusammengefügt werden, die eine Stelle in der Wirklichkeit angibt), ursprünglich aus dem Universum, welches das dem Ding entsprechende Objekt enthält. Diese sind dann, vermittelst des in Über das geistige Sein und das Denken beschriebenen Vorgangs, in das Universum eingebunden, das die Wirklichkeit in ihrer Gesamtheit enthält: Eine spezielle Relation aus dem Ursprungsuniversum macht eine Eigenschaft aus diesem ungebunden; und eine spezielle Relation aus jenem Universum macht diese ungebundenen Eigenschaft, die Objekten in verschiedenen Universen zukommen kann, wieder gebunden, das ist bindet sie darin ein.
In Anbetracht dieser Verhältnisse erweist sich, dass beide Sicht- und Sprechweisen bezüglich des wirklich gewordenen geistig Seienden in einer jeweiligen Hinsicht sich als sinnvoll darstellen. Unter dem formalen Gesichtspunkt ist alles wirklich gewordene geistig Seiende bloß ein einzelnes Objekt, das ist eine einzige Einheit des geistig Seienden; jedoch in Ansehung der Bildungsweise dieses Objekts ist unter dem inhaltlichen Gesichtspunkt und seinem eigentlichen Wesen nach das wirklich gewordene geistig Seiende als eine Ansammlung von Objekten zu betrachten, die gemeinsam, jedes an seiner Stelle der Wirklichkeit, wirklich werden. Allerdings ist zu berücksichtigen, dass eine Zerlegung der Wirklichkeit in solche Objekte nicht notwendigerweise eindeutig ist. Ein einfaches Beispiel ist etwa der visuelle Eindruck, der sich offensichtlich in verschiedener Weise in einzelne Dinge zerlegen lässt. In einem solchen Fall besitzt das eine Objekt, das die Wirklichkeit darstellt, welches gewissermaßen die Dinge darin einhüllt, schlicht für jede der möglichen Zerlegungen einen Satz von Eigenschaften, die das Vorhandensein der jeweiligen Dinge an ihren jeweiligen Stellen angeben; welche Eigenschaften eben nicht im Widerspruch zueinander stehen und sich dem einhüllenden Objekt allesamt zusprechen lassen, wenn sich jede solche Zerlegung von diesem tatsächlich vornehmen lässt.
Eine Forderung, die unsere Metaphysik an die Wirklichkeit stellt, ist dass sie solipsistisch und präsentistisch ist. Wir wollen kurz betrachten, wie sich diese beiden Charakteristika in dem geistig Seienden, das wirklich werden kann, niederschlagen müssen. Zunächst finden wir, dass eine traditionelle nicht solipsistische, insbesondere realistische Wirklichkeit im Rahmen unserer Ontologie aufgrund der Weise, wie diese aufgebaut ist, gar nicht durch geistig Seiendes in irgendeiner Weise sich wiedergeben ließe. Es gibt zwar durchaus geistige Objekte, die ein Ensemble von Gegenständen im realistischen Sinne, das ist wahrnehmungsunabhängig darstellen; doch kann ein solches auch in der Sichtweise des Realismus nicht die Wirklichkeit in ihrer Gesamtheit wiedergeben, indem es die unleugbar darin vorhandenen subjektiven Eindrücke und Wahrnehmungen nicht wiedergibt. Aufgrund der merkwürdigen Inkonsistenz, mit welcher der Realismus zwischen subjektivem und objektivem Standpunkt unterscheidet, lässt sich eine hypothetische Wirklichkeit im Sinne des Realismus in ihrer Gänze kaum durch ein wohldefiniertes denkbares Objekt abbilden. Was sich aber durchaus durch ein wohldefiniertes denkbares Objekt abbilden lässt, ist eine hypothetische Wirklichkeit, wie sie in den Epilegomena zur Metaphysik beschrieben ist: Ein Nebeneinander von durch unabhängige wahrnehmende Subjekte jeweils wahrgenommenen Teilwirklichkeiten, die gemeinsam die Wirklichkeit bilden. Solche können aber, wie ebenda unter Rückgriff auf die wesenhafte Bedeutung des Satzes Wirklich ist, was wahrgenommen wird gezeigt ist, nicht eine tatsächliche Wirklichkeit darstellen. Deshalb müssen solche einhüllenden geistigen Objekte, in welchen nicht alle Dinge amalgamartig miteinander verbunden und in eins gegossen sind, sondern teilweise auch unverbunden nebeneinander stehen, davon ausgeschlossen sein, wirklich werden zu können. Solche Objekte können wir als Elemente einer eigenen Domäne ansehen, die eng verwandt ist mit derjenigen, welche die Objekte enthält, die tatsächlich wirklich werden können, weil sie alle in der Wirklichkeit vorkommenden Dinge in der Weise vereinigen, dass sie als von einer einzigen wahrnehmenden Instanz wahrgenommen sich darstellen und die Wirklichkeit somit unitär bleibt. Nicht vorausgesetzt ist hingegen, dass eine Wirklichkeit ein Ichbewusstsein, Gedanken oder Empfinden enthalten müsse, da dies nicht Teil des solipsistischen Postulats ist.
Was wiederum den präsentistischen Charakter der Wirklichkeit angeht, so hat dieser zur Folge, dass die Natur der Stellen in der Wirklichkeit, die wir oben eingeführt haben, niemals eine zeitliche Dimension haben darf; eine einzelne potentielle Wirklichkeit kann immer nur zugleich sein. In einzelnen Dingen innerhalb der Wirklichkeit kann sich eine zeitliche Ordnung durchaus manifestieren, etwa in Erinnerungen, welche in der Wirklichkeit vorkommen, oder wenn der Verstand sich eine Erzählung vergegenwärtigt, in welcher Ereignisse aufeinanderfolgen; das ist die zeitliche Ordnung als Charakteristikum zu besitzen, welche durch und durch denkbar ist und in den Eigenschaften vieler geistig seiender Objekte vorkommt, verhindert nicht grundsätzlich, dass solche Dinge wirklich werden können; sie darf nur nicht das einhüllende Objekt, das die gesamte Wirklichkeit darstellt, strukturieren.
In Über das geistige Sein und das Denken wird die grundsätzliche Unterscheidung zwischen bestimmten und unbestimmten Objekten eingeführt. Wir wollen nun nachweisen, dass die Objekte, die Dinge in der Wirklichkeit abbilden, immer nur bestimmte Objekte sein können, sodass es sich bei den unbestimmten um allein im Denken, aber nicht in der Wirklichkeit vorkommende Entitäten handelt. Unbestimmt ist ein Objekt A, wenn es mehr als ein Objekt gibt, das alle Eigenschaften von A besitzt, das ist wenn sich dessen Eigenschaften in verschiedener Weise weitere hinzufügen lassen, sodass verschiedene Objekte entstehen. Stellen wir uns vor, ein Ding der Wirklichkeit würde durch ein solches unbestimmtes Objekt dargestellt (wodurch zwangsläufig auch das Objekt, das die Wirklichkeit in ihrer Gesamtheit wiedergibt, unbestimmt wird). Die Tatsache, dass durch Hinzufügung weiterer Eigenschaften zu dem Objekt sich unterschiedliche neue Objekte erzeugen lassen, bedeutet, dass seine bestehenden Eigenschaften seine Ausprägungen in bestimmten Hinsichten offenlassen: Das heißt durch diese bestehenden Eigenschaften werden zwar Hinsichten des Objekts angelegt, indem sie es nicht verhindern, dass sich diesem Eigenschaften hinzufügen lassen, die seine Ausprägung darin angeben; jedoch werden diese angelegten Hinsichten nicht tatsächlich durch konkrete Ausprägungen besetzt, sondern sind schlicht nicht festgelegt, eben unbestimmt. Nun nimmt sich aber ein solches Ding als Gegenstand der Wahrnehmung, welcher es sein muss, wenn es in der Wirklichkeit vorkommt, mehr als seltsam aus. Denn wenn eine gewisse Hinsicht des Dings in seinen Eigenschaften angelegt ist, so kann sich auch die Wahrnehmung darauf richten; diese aber muss eindeutig festlegen, wie das Ding in dieser Hinsicht ausgeprägt ist; dem wahrnehmenden Subjekt drängt sich dessen Ausprägung schlicht unmittelbar auf, sodass es unter der Wahrnehmung keine Unbestimmtheit geben kann. Etwas anderes ist es, wenn ein Ding nicht in einer gewissen Hinsicht ausgeprägt ist, weil diese Hinsicht gar nicht erst in ihm angelegt ist, indem seine bestehenden Eigenschaften es nicht verstatten, ihm eine weitere hinzuzufügen, die ähnliche Dinge durchaus besitzen können. Ein Beispiel wäre etwa ein physischer Gegenstand, der keine Temperatur besitzt, weil er der sensorischen Wahrnehmung nicht zugänglich ist. In diesem Falle ist schon durch seine Eigenschaften festgelegt, dass er sich in dieser Hinsicht gar nicht ausprägen kann, und er wird durch ein bestimmtes Objekt wiedergegeben.
Die unbestimmten Objekte erweisen sich somit als ungeeignet zur Abbildung der Dinge in der Wirklichkeit. Bemerkenswerterweise aber sind sie für das Denken durch und durch charakteristisch, welches sie in natürlicher Weise zum Gegenstande von Aussagen macht. Indem es darauf verzichtet, gewisse Ausprägungen eines Objekts zu spezifizieren, kann das Denken gewissermaßen ganze Klassen, welche sich aus einem unbestimmten Objekt ableiten, zum Gegenstande seiner Betrachtung machen, was von seiner Fähigkeit zur Generalisierung vom Konkreten aus zeugt; in der Wirklichkeit aber muss alles konkret sein.
Zum Abschluss unserer Überlegungen zur Struktur des wirklich gewordenen geistig Seienden wollen wir die Frage untersuchen, inwiefern wir manche potentiellen Wirklichkeiten als untereinander ähnlich betrachten können und ob es möglich sei, ein Maß für die Unterschiedlichkeit zweier Wirklichkeiten sowohl als auch zweier einzelner Dinge anzugeben, welche Frage oben schon mehrmals berührt wurde. Die prinzipielle Tatsache, dass manche potentiellen Wirklichkeiten in dem besonderen Verhältnis stehen, welches wir nur als Ähnlichkeit bezeichnen können, drängt sich geradezu auf. Beispiele hierfür sind etwa: Wirklichkeiten, in denen sich ein physischer Gegenstand kontinuierlich von einer Position zur anderen bewegt; solche, in denen die Lautstärke eines Geräuschs nach und nach zunimmt; oder solche, in denen die Farbe in einem visuellen Eindruck nahtlos in eine andere hinüberwechselt. Ein Ähnlichkeitsverhältnis ist weiterhin intuitiv gegeben in folgenden beispielhaften Fällen, wiewohl dessen Charakter sich zweifellos als verschieden von demjenigen der zuvor genannten darstellt: in der Beziehung zweier Wirklichkeiten, die beide den Blick auf eine Landschaft darstellen, ohne dass diese Landschaften mehr gemein hätten als eben Landschaften zu sein; oder solcher, die beide von einem Empfinden der gleichen Emotion geprägt sind, ansonsten sich aber in nichts gleichen; oder aber solcher, die beide gewisse physische Gegenstände von der gleichen Form, aber gänzlich anderer Farbe enthalten.
In den ersten Beispielen liegt eine Ähnlichkeit quantitativer Art vor, welche wir auch als Ähnlichkeit im engeren Sinne bezeichnen können; wohingegen diese in letzteren nur qualitativ ist, welches eine Ähnlichkeit im weiteren Sinne darstellt; wobei aber jene eigentlich ein Spezialfall von dieser ist, denn was quantitativ ähnlich ist, ist es notwendig auch schon qualitativ. Wie eine qualitative Ähnlichkeit sich auf der Ebene der geistig seienden Objekte widerspiegele, ist einfach auszumachen: Zwei Objekte, die eine Wirklichkeit abbilden, sind ähnlich, wenn sie gewisse nichttriviale (das ist über Ureigenschaften hinausgehende) Eigenschaften gemeinsam haben, das ist es eine Klasse gibt, der sie beide angehören; je kleiner diese Klasse ist, das ist je mehr Eigenschaften sie gemeinsam haben, desto größer ist der Grad der qualitativen Ähnlichkeit. Dabei müssen diese Eigenschaften nicht notwendigerweise gebunden sein: Eine Ähnlichkeit zwischen zwei Wirklichkeiten ist auch dann noch spürbar, wenn der Verstand sie nur in eine gemeinsame assoziative Klasse einordnen kann, indem er ihnen eine unspezifische Eigenschaft zuspricht, die ihn aber dennoch dazu bringt, diese Wirklichkeiten spontan zu assoziieren.
Eine quantitative Ähnlichkeit liegt hingegen dann vor, wenn zwei Wirklichkeiten nicht nur in derselben Klasse liegen, sondern auch alle bestimmten Objekte in dieser Klasse sich durch Hinzufügen von ausschließlich quantitativen Eigenschaften zu den allen Objekten der Klasse gemeinsamen Eigenschaften sich eindeutig bestimmen lassen und sich diese quantitativen Eigenschaften in endlich viele kompakte inhaltliche Gruppen einteilen lassen. Dabei ist unter einer quantitativen Eigenschaft eine solche zu verstehen, die einen bestimmten Punkt oder ein bestimmtes Intervall in einem Kontinuum angibt; das ist die sich als vermittelst einer Relation gebildet betrachten lässt, die als ein Argument eine aus dem Universum der reellen Zahlen entstammende Eigenschaft, die einen Punkt oder ein Intervall darin bezeichnet, besitzt; wobei die Relation darüber hinaus noch darauf eingeschränkt werden muss, dass sie vom spezifizierenden Typ sei und die Eigenschaft aus dem Universum der reellen Zahlen darin einen Grad oder eine Ausdehnung wiedergebe; denn eine Eigenschaft, die etwa das Auftreten einer bestimmten reellen Zahl in den Gedanken wiedergäbe, ist keineswegs quantitativ. Darüber hinaus kann die Relation noch weitere Argumente besitzen, welche Eigenschaften aus dem Universum der reellen Zahlen darstellen; sind solche vorhanden, so müssen sie gemeinsam einen Ort festlegen, an dem der Grad oder die Ausdehnung sich manifestieren. Schließlich verstehen wir unter einer kompakten inhaltlichen Gruppe von quantitativen Eigenschaften eine solche, in der alle Eigenschaften vermittelst derselben Relation gebildet sind und sich überdies nur in dem Argument, oder gegebenenfalls den Argumenten, unterscheiden, welche in den Eigenschaften aus dem Universum der reellen Zahlen bestehen; sind Argumente vorhanden, die anhand von Eigenschaften aus dem Universum der reellen Zahlen einen Ort festlegen, so fordern wir für eine kompakte inhaltliche Gruppe außerdem, dass die darin vorkommenden Orte, welche jeweils Punkte in einem reellen Raum darstellen, in diesem dicht in einer kompakten Menge liegen; und dass die Grade oder Ausdehnungen, die von den Eigenschaften an diesen Orten festgelegt werden, eine stetige und beschränkte Funktion auf dem reellen Raum bilden. Zwar können einzelne Eigenschaften aus dem Universum der reellen Zahlen nur rationale Zahlen oder Intervalle angeben, da alles andere zu denken außerhalb der Fähigkeiten eines endlichen Verstandes läge; doch kann eine unendliche Folge solcher Eigenschaften eine beliebige reelle Zahl eindeutig festlegen, und eine Folge von Eigenschaften, die aus solchen vermittelst einer Relation zusammengesetzt sind, kann eine beliebige stetige Funktion auf einem kompakten reellen Raum eindeutig bestimmen. In der Tat müssen die Eigenschaften aus einer kompakten inhaltlichen Gruppe eine solche Festlegung leisten, da sonst ein Objekt unbestimmt bliebe.
Anschaulich sind dementsprechend zwei Objekte quantitativ ähnlich, wenn sie beide in einer Klasse liegen, in der sich alle Objekte durch eine endliche Anzahl an reellen Zahlen oder stetigen Funktionen auf einer kompakten Menge in einem reellen Raum festlegen lassen, die einen Grad oder eine Ausdehnung angeben. Eine solche Klasse wollen wir eine quantitative Klasse nennen, und weiterhin eine echte quantitative Klasse, wenn ihre erzeugende Eigenschaftsmenge nur Eigenschaften enthält, die nicht quantitativ sind.
Quantitative Ähnlichkeit zwischen zwei Objekten ist die unabdingbare Voraussetzung, um ein quantitatives Maß für die Verschiedenheit derselben zu konstruieren; liegt nur qualitative vor, so lässt sich allenfalls in relativer Weise die Verschiedenheit zweier Objekte A und B in Vergleich setzen mit der derjenigen von A und einem dritten Objekt C, indem die Verschiedenheit eines Paares dann für größer erklärt werden kann, wenn die Menge der Eigenschaften, welche die Objekte darin gemeinsam haben, eine echte Teilmenge der Menge der Eigenschaften darstellt, welche die Objekte des anderen Paars gemeinsam haben; in allen anderen Fällen müssen die Verschiedenheiten als gleichwertig betrachtet werden. Wenn hingegen quantitative Ähnlichkeit vorhanden ist, so können wir ein echtes Maß für die Verschiedenheit zweier Objekte A und B, in der Form einer positiven reellen Zahl, definieren. Dazu wählen wir eine quantitative Klasse, die sowohl A als auch B enthält; diese Wahl lässt sich in natürlicher Weise eindeutig machen, indem wir uns für die kleinste der echten quantitativen Klassen entscheiden, die A und B enthält; welche sich als die Schnittmenge aller echten quantitativen Klassen, die A und B enthalten, konstruieren lässt, da diese selbst wieder eine echte quantitative Klasse, und offensichtlich die kleinste, darstellt. Wir wollen die so gewählte Klasse als Vergleichsklasse von A und B bezeichnen. Alle Objekte in dieser Klasse müssen sich anhand einer endlichen Anzahl an reellen Zahlen oder stetigen Funktionen auf einer kompakten Menge festlegen lassen, also auch A und B; sodass sich A und B als Punkte in einem Raum betrachten lassen, auf welchem sich leicht ein Abstandsmaß definieren lässt: Für jede einzelne der reellen Zahlen, die A und B definieren, setzen wir als Abstand den Betrag von deren Differenz an; und für die stetigen Funktionen, die A und B definieren, setzen wir das Integral über den Betrag von deren Differenz, welches aufgrund ihrer Stetigkeit und der Kompaktheit des Definitionsbereichs existieren muss, als Abstand; das Verschiedenheitsmaß von A und B lässt sich dann als quadratisches Mittel der einzelnen Abstände definieren. Sind A und B nur durch reelle Zahlen festgelegt, so entspricht dies dem euklidischen Abstand.
Der Satz an reellen Zahlen oder Funktionen, anhand derer sich Objekte festlegen lassen, ist nicht eindeutig bestimmt. Somit müssen wir, wenn wir für alle Paare von Objekten aus einer Objektmenge, in welcher alle Elemente paarweise quantitativ ähnlich sind, konsistent und eindeutig ein Verschiedenheitsmaß definieren wollen, für jede der sich ergebenden Vergleichsklassen einen Satz von reellen Zahlen oder Funktionen festlegen. Wir hatten jedoch oben gefordert, dass ein auf die reellen Zahlen sich beziehender Bestandteil einer quantitativen Eigenschaft einen Grad oder eine Ausdehnung angebe; dies hat zur Folge, dass die Abbildung zwischen zwei Sätzen von reellen Zahlen oder Funktionen, welche die Objekte einer quantitativen Klasse in einer jeweils anderen Darstellungsweise festlegen, nicht nur bijektiv sein muss (was sich unmittelbar daraus ergibt, dass sie sämtliche Objekte eindeutig bestimmen), sondern auch stetig. Denn zwei verschiedene Sätze von reellen Zahlen oder Funktionen, die jeweils ein Objekt durch Angabe von Graden oder Ausdehnungen festlegen, können nur bestehen, weil sie das Objekt durch Grade oder Ausdehnungen in einer anderen Betrachtungsweise charakterisieren; wobei in jeder dieser Betrachtungsweisen die kontinuierliche Abänderung eines Grades oder einer Ausdehnung, dem Wesen dieser Charakteristika entsprechend, auch das Objekt kontinuierlich abändert; sodass nicht ein Sprung in dem Grad oder der Ausdehnung gemäß der einen Betrachtungsweise auftreten kann, wo diejenigen gemäß der anderen sich kontinuierlich ändern.
Wir hatten bisher von Ähnlichkeiten der Objekte gesprochen, welche die Wirklichkeit als Ganzes abbilden; indes setzten unsere Überlegungen deren spezifische Charakteristika an keinem Punkte eigentlich voraus; sodass sie im Prinzip auf beliebige Objekte anwendbar sind. Insbesondere können wir Aussagen zur Ähnlichkeit machen und gegebenenfalls ein Verschiedenheitsmaß angeben für die einzelnen in der Wirklichkeit vorkommenden Dinge. Kann man zwei verschiedene Wirklichkeiten in die gleiche Anzahl an Dingen zerlegen und diese befinden sich an den gleichen Stellen, und es unterscheiden sich nur diese Dinge selbst von der einen zur anderen Wirklichkeit, so ergibt sich deren Verschiedenheitsmaß, vorausgesetzt die Dinge der einen Wirklichkeit sind jeweils quantitativ ähnlich zu denen der anderen, als das quadratische Mittel der Verschiedenheitsmaße der einzelnen Dinge. Umgekehrt ist aber auch der Fall denkbar, dass zwei Wirklichkeiten sich in dieselben Dinge zerlegen lassen und sich diese nur an unterschiedlichen Stellen befinden; sofern sich diese Stellen durch quantitative Eigenschaften angeben lassen (welches etwa für visuelle Eindrücke der Fall ist), kann sich das Verschiedenheitsmaß solcher Wirklichkeiten als quadratisches Mittel der Abstände der einzelnen Stellen ergeben. Da die Zerlegung einer Wirklichkeit fast nie eindeutig ist, können tatsächlich sogar beide Fälle für ein Paar verschiedener Wirklichkeiten vorliegen, das ist die eine lässt sich im Vergleich zur anderen sowohl als durch Abänderung an gleicher Stelle verbleibender Dinge entstanden ansehen als auch durch Verschiebung gleichbleibender Dinge.
Indem wir vermittelst der obigen Überlegungen ein Verschiedenheitsmaß für Objekte zur Verfügung stellen, lässt sich die noch verbleibende Lücke in der oben gegebenen Definition des unendlichen Merkmalsreichtums schließen. Gemäß dieser ist ein Objekt unendlich merkmalsreich, wenn es keine Eigenschaftsfolge gibt, die es eindeutig festgelegt und die maximale Verschiedenheit innerhalb der durch die Teilfolgen gebildeten Klassen gegen null konvergieren lässt. Damit letzteres der Fall sein kann, muss offensichtlich ab einem bestimmten Punkte die Verschiedenheit zwischen allen Objekten in den derart erzeugten Klassen einen endlichen Wert annehmen, das ist es muss zwischen allen Objekten qualitative Ähnlichkeit bestehen. Typischerweise wird dies auch damit einhergehen, dass sie allesamt innerhalb einer einzigen Vergleichsklasse liegen; jedoch ist das nicht notwendigerweise der Fall, indem es ausreicht, wenn alle Objekte paarweise jeweils in einer gemeinsamen Vergleichsklasse liegen. Um entscheiden zu können, ob besagte Konvergenz vorliege, muss von der Stelle in der Eigenschaftsfolge an, an der zum ersten Mal alle Objekte der erzeugten Klasse in quantitativer Ähnlichkeit zueinander stehen, ein wohldefiniertes und konsistentes Verschiedenheitsmaß zur Verfügung stehen. Dies lässt sich gewährleisten, indem man in den Vergleichsklassen, die an besagter Stelle der Eigenschaftsfolge die quantitative Ähnlichkeit aller Objekte der erzeugten Klasse zum ersten Mal sicherstellen, jeweils einen Satz von reellen Zahlen oder Funktionen wählt, welche die Objekte in der jeweiligen Vergleichsklasse bestimmen, und diese dann allgemein, auch für die darauffolgenden erzeugten Klassen, zur Grundlage des Verschiedenheitsmaßes macht; welches möglich ist, da die aufeinanderfolgenden erzeugten Klassen jeweils eine Teilmenge der vorausgehenden sind. Eine gewisse Willkür bleibt in dieser Definition natürlich aufgrund der nötigen Wahl der Sätze von reellen Zahlen oder Funktionen am Anfang bestehen. Da aber die Abbildung zwischen den von zwei verschiedenen Sätzen aufgespannten Räumen, welche der Darstellung eines Objekts in dem einen Satz diejenige in dem anderen Satz zuordnet, stetig ist, ist es unabhängig von dieser Wahl, ob eine Eigenschaftsfolge zu einer Konvergenz der maximalen Verschiedenheit gegen null führt oder nicht, und somit ob ein Objekt unendlich merkmalsreich ist.
Schließlich wollen wir noch betrachten, wie sich unsere Überlegungen zur Ähnlichkeit von Wirklichkeiten in den Zusammenhang der in der Schrift Zum Problem des Augenblicks dargelegten Verhältnisse einfügen. Auf der höchsten Stufe der philosophischen Behandlung und unter dem allgemeinsten Gesichtspunkt spielt in jener Schrift eine Ähnlichkeit zwischen potentiellen Wirklichkeiten keine eigentliche Rolle; denn es wird schlicht die Änderung des tatsächlichen Wirklichen von einer potentiellen Wirklichkeit zur anderen untersucht. Zwar müssen die potentiellen Wirklichkeiten mit einem Attribut zu Wirklichkeitseinheiten zusammengesetzt werden, welche durch das Attribut eindeutig identifiziert sind, und als Attribute können auch die reellen Zahlen dienen; doch impliziert das Kontinuum an Attributen, das reelle Zahlen bilden, noch nicht, dass auch der Inhalt der Wirklichkeitseinheiten, das ist die potentielle Wirklichkeit, dargestellt durch ein geistiges Objekt, sich ebenfalls kontinuierlich änderte; außerdem müssen die Attribute nicht notwendigerweise ein Kontinuum darstellen. Allerdings postulieren wir in Zum Problem des Augenblicks, dass eben dies dem intuitionsgemäßen Charakter der zeitlichen Ordnung entspricht, welcher sich zwar auf der höchsten Stufe des Philosophierens nicht nachweisen lässt, auf einer niedrigeren indes sich geradezu aufdrängt. Die präzise Definition dieses natürlichen Zustands lautet, dass der Abstand der Inhalte der Wirklichkeitseinheiten, als Funktion der Attribute aufgefasst, stetig ist; das ist, dass sich zu jeder Wirklichkeitseinheit A und jeder positiven reellen Zahl X eine andere reelle Zahl Y finden lässt, sodass alle Wirklichkeitseinheiten, deren Attribut eine betragsmäßige Differenz kleiner als Y von demjenigen von A besitzen, auch einen Inhalt haben, dessen Abstand von demjenigen von A kleiner als X ist. Den für diese Definition nötigen Abstand kann gerade das im Laufe unserer Überlegungen entwickelte Verschiedenheitsmaß zur Verfügung stellen. Dieses kann, wie in deren Zuge deutlich wurde, keinesfalls für beliebige Wirklichkeiten definiert werden, sondern nur für solche, die gemeinsam in einer quantitativen Klasse liegen; allenfalls kann man für alle anderen schlicht ein Verschiedenheitsmaß von unendlich ansetzen. Nun wird man kaum davon ausgehen können, dass alle aufeinander folgenden Wirklichkeiten eine quantitative Ähnlichkeit zueinander aufweisen; nicht nur gibt es keinen Grund, warum es sich so verhalten sollte; sondern es ist auch, sofern die in der Gegenwart vorhandenen Erinnerungen ein einigermaßen verlässliches Bild der echten, metaphysischen Vergangenheit abgeben sollten, keineswegs der Fall; zeigt sich gemäß den Erinnerungen doch die Abfolge von Wirklichkeiten von einer Vielfalt, die unmöglich durch einen Satz von reellen Zahlen oder Funktionen allein wiederzugeben ist. Das ist aber gar nicht nötig, um von einer stetigen Abfolge von Wirklichkeiten sprechen zu können; vielmehr muss dies nur lokal gelten, das ist bloß die Wirklichkeitseinheiten in einem beliebig kleinen Intervall um eine gegebene Wirklichkeitseinheit müssen in quantitativer Ähnlichkeit zu dieser stehen. Dass dies möglich ist, ohne dass auch global quantitative Ähnlichkeit bestehen muss, liegt daran, dass Objekte auch in mehr als einer quantitativen Klasse liegen können, anhand derer sie zu anderen Objekten quantitativ ähnlich sein können; so kann etwa zwischen den Objekt A und B quantitative Ähnlichkeit bestehen, weil sie in X liegen, zwischen B und C hingegen, weil sie in Y liegen, ohne dass doch A und C in einer gemeinsamen quantitativen Klasse lägen.
Das ebenfalls in Zum Problem des Augenblicks eingeführte Konzept der Änderungsmenge, welche sich als Menge an vergangener Zeit betrachten lässt, hat hingegen mit dem hier gegebenen Verschiedenheitsmaß im Allgemeinen nichts zu tun, auch wenn dieses in manchen Fällen mit jener übereinstimmen kann. Für eine allgemeine, immer anwendbare Definition einer Zeitmenge taugt es nicht, aus mehreren Gründen: Eine Zeitmenge muss global gegeben sein; sie muss verschiedene Vorgänge in der Wirklichkeit unterschiedlich gewichten können, indem sie beispielsweise dem Wechsel von Tag und Nacht oder dem Zeitempfinden im Gemüte den Vorrang gegenüber anderen Vorgängen gibt; und sie muss unabhängig sein von der konkreten Wahl eines Satzes von reellen Zahlen oder Funktionen, die zur Definition des Verschiedenheitsmaßes nötig sind.
Wir haben bisher Argumente für das prinzipielle Vorhandensein der speziellen Beziehung zwischen geistig und wirklich Seiendem angeführt, vermittelst derer alles Wirkliche eine Entsprechung im Geistigen besitzt, sowie eine Reihe von formalen Untersuchungen zu dem Geistigen, das wirklich werden kann, angestellt. Allein was wir dabei fast gänzlich außer Acht ließen, ist das Wesen dieser Beziehung an sich. Wie schon zu Beginn der Schrift angedeutet, können wir bei dessen Behandlung nur bis zu einem gewissen Punkt vorankommen; doch wollen wir zumindest eine Annäherung daran versuchen. In der strikt metaphysischen Sicht, wie sie in der Metaphysik ausgeführt ist, ist die Quelle des Wissens über das geistig Seiende schlechthin die Wirklichkeit selbst, eben da diese eine geistige Entsprechung besitzt und das Geistige exakt abbildet. Jedoch kann uns das Wirkliche allein und an und für sich offensichtlich nicht bei der Untersuchung des Verhältnisses von geistig Seiendem und seiner wirklichen Entsprechung weiterhelfen, da wir damit die Objekte darin ja nur in einer der beiden Formen, die wir doch vergleichen wollen, vorliegen haben. Die Schwierigkeit besteht darin, dass wir streng genommen keinen anderen Zugang zum geistig Seienden besitzen können als eben durch das Wirkliche; denn das geistig Seiende besitzt eine platonische, von aller Wirklichkeit unabhängige und unzugängliche Existenz. Jedoch verfügen wir in dieser misslichen Lage über einen Behelf, der uns immerhin eine Ahnung von dem in Rede stehenden Verhältnis zu verschaffen vermag. Denn in der Wirklichkeit finden wir mit dem Denken eine Erscheinung vor, welche die eigentümliche Doppelrolle spielt, einerseits ein Ding wie jedes andere in der Wirklichkeit darzustellen, andererseits aber Erkenntnissubjekt zu sein und darüber hinaus das Vorbild für das ideale Denken abzugeben, welches eine von diesem in der Wirklichkeit vorhandenen Denken ausgehende Idealisierung darstellt. Das ideale Denken wiederum ist es, welches durch den Grundsatz Geistig ist, was gedacht werden kann das geistig Seiende abbildet. Darum können wir uns die bestmögliche Vorstellung von dem Verhältnis von geistigem und wirklichem Sein verschaffen, indem wir die Weise, wie ein Objekt in dem Teil der Wirklichkeit, der das Denken ist, vorgestellt wird, nebeneinander halten mit der Weise, in der dasselbe Objekt in der Wirklichkeit auftritt. Aus zwei Gründen muss diese Vorstellung unvollständig bleiben: Einerseits besteht zwischen dem tatsächlich existierenden und dem idealen Denken immer noch ein großer Unterschied aufgrund der vielfältigen Inidealitäten des ersteren; und andererseits ist selbst die Weise, wie ein Objekt im idealen Denken auftritt, nicht völlig gleichzusetzen mit der Weise, wie es geistig ist, da die geistige Existenz selbst noch von allem Denken unabhängig ist; welches Verhältnis die Schrift Über das geistige Sein und das Denken zu entwirren sich bemüht. Weiter, als uns dieser Ansatz trägt, können wir jedoch nicht gelangen.
Betrachten wir also, wie ein Objekt im real existierenden Denken auftritt. In der Regel bildet der Verstand Objekte in einer Mischung aus einer sprachlich-abstrakten Beschreibung und einer konkreten, sinnlichen Vorstellung ab. Erstere besteht darin, dass der Verstand sich ein Objekt anhand einiger dieses definierender Eigenschaften vergegenwärtigt, welchen er vermittelst eines sprachlichen Ausdrucks eine konkrete Gestalt in seinem Denken gibt; etwa: ein Tisch aus Holz, der doppelt so lang wie breit ist; oder: ein deutscher Satz, der aus fünf Wörtern besteht. Obgleich es bisweilen vorkommt, dass diese sprachlichen Ausdrücke zu bloßen Worthülsen ohne Rückbezug auf ein anschauendes Begreifen durch das Denken werden, ist es meist eher so, dass dieses anschauende Begreifen vorausgeht und in der Sprache nur präzise gemacht wird, das ist diese bloß als Werkzeug dient. Neben der sprachlich-abstrakten Art der Vergegenwärtigung von Objekten im Verstande finden wir jedoch eine sinnlich-konkrete vor, in welcher ein in der Wirklichkeit vorkommendes Objekt gleichsam mit Fleisch und Blut im Denken widergespiegelt ist; man kann sagen, dass das so im Denken vorgestellte Objekt nahezu alles besitzt, was das ursprünglich in der Wirklichkeit vorkommende Objekt ausmacht; ein Verhältnis, welches in der Solipsistischen Ästhetik mit dem Begriff der Homöophanie bezeichnet ist. Eine derartige Abbildung eines Objekts ist gewissermaßen das entgegengesetzte Extrem im Vergleich zu der gänzlich formalen, nicht mehr in der Anschauung verankerten Definition eines Objekts durch das Denken. Für das Denken des idealen Verstandes müssen wir ansetzen, dass er, anders als der real existierende, in keines dieser Extreme verfällt. Denn kennzeichnete ihn dieses, so wäre die Korrektheit seines Denkens nicht mehr garantiert, da ein bloß formales Operieren mit abstrakten Begriffen ohne Verankerung im anschauenden Begreifen oftmals über den Charakter der Dinge in die Irre führt; wenn aber jenes, so ginge ihm die Universalität ab, die das Denken des idealen Verstandes auszeichnen muss, da er sonst beim Vorgang, ein Objekt abzubilden, ganz und gar an eine Wirklichkeit gebunden wäre und die Vielfalt der Objekte, die er denken könnte, stark eingeschränkt wäre. Ja eigentlich können wir Verstandesvorgänge, die in diesen beiden Extremen bestehen, schon gar nicht mehr als Denken im eigentlichen, sondern nur im weiteren Sinne betrachten. Wir müssen es und daher, wenn der Verstand ein beliebiges Objekt denkt, so vorstellen, dass er dessen definierende Eigenschaften, und damit auch das Objekt selbst, voll und ganz anschaulich erfasst, ohne sich doch eine sinnliche Vorstellung davon zu machen. In Anbetracht der Tatsache, dass der tatsächlich existierende Verstand bei der Vergegenwärtigung mancher Eigenschaften nicht gänzlich ohne die sinnliche Vorstellung auskommt, weil er sie nicht auf einen genauen sprachlichen Ausdruck bringen kann, mag es überraschen, dass der ideale Verstand von jedweder Eigenschaft sich einen anschaulichen, aber nicht sinnlichen Begriff zu machen in der Lage ist; doch handelt es sich bei dieser Unfähigkeit des tatsächlichen Verstandes um eine seiner Inidealitäten, und wir müssen uns den idealen Verstand als von diesen frei vorstellen.
Es fragt sich nun, inwieweit das anschauliche Erfassen durch den Verstand sich noch im Wesen der geistigen Existenz von Eigenschaften und Objekten niederschlägt. Zwar stellt es in jedem Falle sicher, dass jede Eigenschaft sich auf der Ebene des geistigen Seins gerade so in das Sinngeflecht der anderen Eigenschaften einordnet, wie es sich aus deren anschaulichem Begriff ergibt; jedoch bestimmt es damit nur die Struktur des geistig Seienden und nicht das Wesen seines Seins, sofern man nicht behaupten wollte, dass sein Wesen gerade in dieser Struktur und nichts anderem bestehe. Es liegt zwar nahe, dass sich der anschauliche Begriff einer Eigenschaft im Denken bis zu einem gewissen Grade in der Weise widerspiegelt, wie diese geistig ist; doch es fällt uns als Bewohnern der Wirklichkeit schwer, von der genauen Ausgestaltung dieses Verhältnisses eine genaue Vorstellung zu erlangen.
Halten wir jedenfalls die Weise, in der eine Eigenschaft oder ein Objekt im Denken im eigentlichen Sinne, wie wir es beschrieben haben, auftreten, nebeneinander mit ihrer Erscheinungsform in der Wirklichkeit außerhalb des Denkens: So finden wir, dass zwischen beiden eine erhebliche Differenz besteht. Am augenfälligsten ist, dass selbst noch der anschauliche Begriff von einer Eigenschaft im Denken und die Weise, wie sie verwirklicht ist, das ist in der Wirklichkeit umgesetzt ist, auseinanderfallen und nicht völlig gleichgesetzt werden können. Betrachten wir als ein sehr eindrückliches Beispiel die Eigenschaften, rechts oder links zu liegen (diese sind zunächst ungebundene Eigenschaften, doch sie lassen sich in vielfältigen Universen einbinden). Im Sinngeflecht der Eigenschaften ist ihre jeweilige Rolle voll und ganz konsistent: Etwa finden wir, dass sie vertauscht werden müssen, wenn man einen physischen Gegenstand herumdreht; oder wir treffen bei manchen Paaren von physischen Gegenständen oder auch geometrischen Figuren auf Enantiomorphie, das ist es gibt eine rechte und linke Version der gleichen Form, welche nicht durch Verschiebungen zur Deckung gebracht werden können; und schließlich lassen sich rechts- und linkshändige Dreibeine in der analytischen Geometrie konsistent und schlüssig definieren. Doch obgleich das Denken alle diese Zusammenhänge nachvollziehen kann und korrekt abbildet, geht aus seiner Abbildung von Objekten und Eigenschaften nicht hervor, was rechts und links eigentlich sind, das ist wie sie sich konkret in der Wirklichkeit manifestieren. Im Denken ließen sich eine Wirklichkeit und eine vollständig gespiegelte Version ihrer selbst nicht unterscheiden; doch stellen wir uns zumindest vor, dass eine solche Spiegelung für die Wahrnehmung einen Unterschied machte, auch wenn wir unmöglich zwei verschiedene Wirklichkeiten nebeneinander halten können. Ein weiteres Beispiel, welches das Verhältnis besonders gut verdeutlicht, sind Farben. Auch diese stellt der Verstand konsistent und korrekt in ein Sinngeflecht: Etwa kann er abbilden, dass zwei Farbtöne näher beieinander liegen als zwei andere; oder dass eine Farbe durch additive oder subtraktive Farbmischung aus zwei anderen entsteht. Doch wieder gilt: Was eine bestimmte Farbe eigentlich ist, geht nicht aus dem Denken hervor, sondern nur der Wirklichkeit selbst. Eine klassische Frage lautet: Ist mein Blau auch dein Blau? In einer solipsistischen Sichtweise kann sie derart natürlich nicht gestellt werden, aber als Ersatz kann man fragen: Ist das Blau von heute das Blau von gestern? Das ist können wir eine Eigenschaft als in aufeinanderfolgenden Wirklichkeiten in derselben Weise verwirklicht ansehen? Jedoch ist diese Frage zumindest müßig, wenn nicht gar sinnlos: Denn wir können, wie schon zuvor bemerkt, unmöglich zwei Wirklichkeiten nebeneinander halten.
Noch in einer anderen Hinsicht fallen die Erscheinungsform eines Objekts im Denken und der Wirklichkeit auseinander, welche sich als etwas subtiler darstellt; in dieser Hinsicht besteht eine gewisse Differenz sogar zwischen dem Auftreten eines Objekts im Denken und seiner geistigen Existenz selbst, sodass wir hier sorgfältig argumentieren müssen. Wenn der Verstand ein Objekt denkt, dann stellt er es, wie schon mehrfach erwähnt, vermittelst einer Reihe von Eigenschaften vor, die es definieren, wobei der Satz an definierenden Eigenschaften für ein und dasselbe Objekt in verschiedener Weise gewählt sein kann. Es ist jedoch für den Verstand selbst schon fühlbar, dass dieser Satz allein nicht mit dem Objekt in seiner Gänze gleichgesetzt werden kann, da er ihm nicht nur darüber hinausgehende Eigenschaften zusprechen kann, sondern auch gewahr wird, wenn zwei verschiedene Sätze dieselbe Menge von Eigenschaften implizieren. Dementsprechend betrachten wir auf der Ebene des geistigen Seins ein Objekt als durch die Menge aller seiner Eigenschaften gegeben. Wie verhält es sich nun mit den in der Wirklichkeit auftretenden Dingen? Zweifellos kann man einem Gegenstand der Wahrnehmung alle Eigenschaften zusprechen, die das geistige Objekt besitzt, welches ihm entspricht; aber wir können wohl kaum behaupten, dass der Eindruck, welchen das wahrnehmende Subjekt von einem Gegenstande erhält, in allen seinen Eigenschaften besteht. Nicht nur sind dies in der Regel unendlich viele, sondern es finden sich darunter auch solche, denen man schwerlich zugestehen kann, dass sie sich dem wahrnehmenden Subjekt unmittelbar aufdrängen, weil sie in einer gewissen Weise zu abstrakt sind; außerdem hatten wir schon festgestellt, dass die Wahrnehmung eine Ausprägung, die sich als Punkt in einem Kontinuum darstellt, stets als Einheit und auf einmal erfasst, wohingegen das Denken eine solche unter Umständen nur durch eine Folge von Eigenschaften abbilden kann.
Wenn sich überhaupt ergründen lässt, worin der Eindruck des wahrnehmenden Subjekts von einem Ding besteht, so können wir am ehesten die oben eingeführten Merkmale als dessen Konstituenten ansetzen. Notwendigerweise muss das wahrnehmende Subjekt der Ausprägung eines Dings in jeder Hinsicht gewahr werden, und diese Ausprägungen können wir uns als durch eine einzelne Eigenschaft oder eine Folge von Eigenschaften, die einen Punkt in einem Kontinuum festlegt, beschreibbar vorstellen; um von echten Ausprägungen reden zu können, dürfen die Eigenschaften, die diese beschreiben, weiterhin alle zusammengenommen keine Redundanzen enthalten; womit die oben gegebene Definition der Merkmale erfüllt ist. Die Manifestation eines Objekts in der Wahrnehmung ähnelt darum in gewisser Weise der Form, in welcher es im Denken auftritt, indem es vordergründig in beiden Fällen durch eine Teilmenge seiner Eigenschaften gegeben ist, welche es eindeutig festlegt. Jedoch besteht auch ein bedeutender Unterschied: Der Verstand ist frei darin, eine Menge von definierenden Eigenschaften zusammenzustellen, um ein Objekt zu bilden; wohingegen ein Gegenstand der Wahrnehmung sich dem wahrnehmenden Subjekt aufdrängt, wie er eben ist, und wir a posteriori zu bestimmen versuchen, in welcher Weise er diesem gegeben ist, indem wir nach Eigenschaften suchen, die seine Ausprägungen wiedergeben, anhand derer er in der Wahrnehmung auftritt.
Nicht von jeder prinzipiell vorstellbaren Merkmalszerlegung eines Objekts können wir annehmen, dass sie die tatsächliche getreu wiedergibt, das ist die Konstituenten eines Dings, wie es unter der Wahrnehmung erscheint, richtig abbildet. Denn viele Eigenschaften, die man einem Objekt zwar zusprechen kann, wirken dennoch genuin dem Denken entsprungen und ohne eine Grundeinheit der Wahrnehmung als Entsprechung. Dies sind insbesondere Eigenschaften, welche die Beziehung eines Objekts zu einem anderen oder dessen Zusammensetzung wiedergeben. Wir müssen deshalb zuvörderst nach Eigenschaften Ausschau halten, die entweder elementar oder vermittelst spezifizierender Relationen gebildet sind, wenn wir nach denjenigen suchen, welche die Grundeinheiten der Wahrnehmung wiedergeben. Außerdem sollte eine geeignete Merkmalszerlegung wohl möglichst einfach sein, das ist aus Eigenschaften bestehen, die sich als möglichst wenig zusammengesetzt darstellen. Denn wenn wir die Wahrnehmung in ihre Grundeinheiten zerlegen wollen, so müssen dieselben, um dieses Prädikat zu verdienen, offensichtlich möglichst einfach sein, was sich wiederum in der Einfachheit der sie beschreibenden Eigenschaften widerspiegeln muss. Es ist allerdings fraglich, ob diese Kriterien allein schon ausreichen, um die tatsächliche Merkmalszerlegung eines Dings in der Wirklichkeit eindeutig festzulegen; und noch fraglicher, ob sie ausreichen, diejenige der Wirklichkeit als Ganzes zu bestimmen, lässt sich diese doch schon selbst auf verschiedene Weisen in einzelne Dinge zerlegen; beides wird wohl in der Regel nicht der Fall sein. Es ist aber auch kein Vorgehen ersichtlich, wie man die eigentliche Merkmalszerlegung über die genannten Einschränkungen hinaus weiter eingrenzen und schließlich ausfindig machen könnte. Welche von den in Frage kommenden Merkmalszerlegungen nun die echte sei, lässt sich somit im Allgemeinen nicht ergründen, ja vielleicht müssen wir die Frage sogar als sinnlos ansehen: Letztlich betrachten wir die Wahrnehmung denkend, das ist aus der Perspektive des Denkens, in dessen Kategorien das Wirkliche nur bis zu einem gewissen Grade beschreibbar und dessen Verständnis es nicht bis ins Letzte zugänglich ist.